Mittwoch, 4. April 2018

Überraschungsgast

Ende des Monats startet die neue Kampagne Die schlafenden Götter, eine Endzeit-Fantasy-Post-Apokalypse mit schwerem SciFi-Einschlag. Charaktere bauen wir in der Woche zuvor zusammen, um ein gut eingestelltes Team zu erhalten.

Natürlich planen die meisten schon vor. Wir werden einen Schrotter haben, gut, wichtig. Ein Android gesellt sich bei und auch ein Revolvermann wird nicht fehlen. Von den beiden anderen habe ich noch keine konkreten Angaben.

In aller Regel möchte ich ein bißchen was von den SC wissen, die ich leiten soll. Am wenigsten mag ich dabei die "Hintergrundgeschichte" als Feedback. Da sind Ereignisse festgelegt und Dinge und anderes. Ich verfasse zwar welche für meine eigenen SC bei anderen SL, aber nur, weil ich weiß, daß sie auf ein Gedicht, ein abstraktes Gemälde oder eine Arie aus Händels Flavio mit Befremden reagieren würden.

Als Beispiel: Für meinen letzten richtig coolen Charakter, Sandùriel, den Heiler, gab es eigentlich folgendes Konzept: "Ein finster entstellter, elfischer Heilerpriester auf der Suche nach Rache"- Dazu hätte das Stück hier ausgereicht (und eine Beschreibung des Ordens). Aber ich bin auf Nummer Sicher gegangen und haben stattdessen über vier Seiten für den SL eine Hintergrundgeschichte ausformuliert, die natürlich sehr festlegend war. Ich will mich nicht beschweren, der SL hat alles vorbildlich integriert, aber ich bin nach wie vor am Zweifeln, ob er es noch besser hätte handhaben können, hätte ich ihm mehr Freiraum gelassen.

Aber egal. Mit der Kampagne war ich so oder so zufrieden.

Wenn ich leite, bevorzuge ich es eigentlich, wenn der Spieler mir ein Charakterkonzept übermittelt und etwas, das uns beiden ein Gefühl für den Charakter gibt, einen Song, einen Ausschnitt aus einer Symphonie, ein (gerne auch selbstgemaltes) Bild, ein Gedicht, einen Romanauszug und einige knappe Details zum Hintergrund. Wie gesagt, ein Gefühl, das beide Seiten nicht festlegt, im Gegensatz zu einem voll ausgearbeiteten Hintergrund. Die Details ergeben sich dann im Spiel.

Angefangen damit zu experimentieren habe ich Ende der 1980er. Damals habe ich für eine Grim'n'Gritty-Kampagne in Mittelerde für einen Waldelfen Rilkes "Panther" als Hinweis erhalten. Cool. Bei meiner ersten Shadowrun-Kampagne gab mir der Zwergen-Sam einen in Kunstblut getauchten Brotlaib und als Begleitsong Alien Sex Fiend- Do you Sleep at Night? Ja. Wir waren ein prätentiöser Haufen. Kunst Leistungskurs, Theater-AG und erste Jobs bei lokalen Zeitungen und lokalen Radiosendern. Gut für uns. Wer mit Sechzehn bis Zwanzig nicht prätentiös ist, bei dem ist eh Hopfen und Malz verloren.

Es gab noch andere wirklich schöne Charaktere, die auf diese Weise im Wechselspiel zwischen Spieler und Spielleiter geschaffen wurden. Ich hab dann gegen 1991 damit aufgehört, weil es wirklich sehr anstrengend wurde. Beiß mich immer noch dafür in den Arsch, aber Wasser unter der Brücke.

Für Die schlafenden Götter möchte ich das den Spielern wieder anbieten. Ich bin gespannt. Erstes Material habe ich schon. Der Gunslinger hat mir einen Song angeboten. "Eyes of a Dreamer". Nette Nummer zwischen Country, Folk und diesen mäandernden Hippie-Harmonien mit einem Text, der genau das richtige Maß an Kitsch erreicht, um im Rollenspiel wertvoll zu werden.
The moment, is ever constant in the mind
Everywhere I look the blind lead the blind
Here's your chance to step out of time
There ain't no reason and there ain't no rhyme
Ein bißchen verstört mich, daß der Song von Charles Manson ist, der ihn auch singt. Der sitzt jetzt also auch im Geiste mit an meinem Tisch. Aber keine schlechte Stimme, wirklich nicht.


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