Mittwoch, 16. August 2017

Respekt

Ich bin ja nicht eben als Fanboy des Schwarzen Auges verschrien, aber Ehre, wem Ehre gebührt.

Bei ihrem Krautfunder zu einer Neuauflage von DSA 1/1.5 haben die Homeriker fast 80.000 Euro eingesammelt und fast 600 Backer gefunden. Für die wirklich ganz alten (und unerreicht schönen) Kamellen von vor dem Krieg.

Das muß man erstmal schaffen. Die mußten mittlerweile soviele Extras und Goodies freischalten, daß die Box aus allen Nähten platzen sollte, wenn da einer das volle Programm will. Und es gibt eine Maske des Meisters. EINE MASKE DES MEISTERS!

Wer teilnehmen will, der kann das dann hier noch für einige Stunden tun.

(Warum die "Let's Plays" allerdings als "Goodies" dabei sind? Sind das nicht "Baddies"? Die Ausschnitte, die ich gesehen habe, waren blanke "Hähä waren die damals blöde"-Attitüde von Menschen, die nicht mal so tun, als sei das gutmütiger Spott. Ma gavte la nata. Naja, vielleicht ist mein Einblick zu begrenzt, und das ist wirklich cool, wer weiß.)

Sonntag, 13. August 2017

Aventurienschreibe oder: "Mein Aventurien ist nicht so finster."

Ist schon ein wenig her. Ich habe für meine Gruppe meinen DSA-Retro-Mutanten geleitet und wollte natürlich ein bißchen "Stimmung" aufkommen lassen. Also habe ich ihnen vor dem Spiel im Hausforum ihre Situation in Havena im Jahre Hal 3 geschildert. Einen ganz normalen Tag, für den ich versucht habe, sowas wie "Aventurienschreibe" zu emulieren, das Raunende, Onkelhafte.

Ich bin wohl ein finsterer Onkel. Die einzige direkte Reaktion, die folgte war: "Also. Mein Aventurien ist nie so finster gewesen." Die Reaktion habe ich gerade ausgegraben, den Text auch. Also poste ich ihn mal (ja, mit allen möglichen Fehlern, das wurde nie korrigiert). Vielleicht gibt es ja noch mehr finsterliche Meister des Schwarzen Auges. :)

Havenas Glanz und Ruhm sind lang vorbei. Der Hafen steht noch immer teils eingesunken wie vor 300 Jahren, und die Geschäfte laufen schlecht, nicht zuletzt wegen der Konkurrenten aus dem Lieblichen Feld. Sicher, die neue Residenz des Fürsten Cuanu erstrahlt, und Kaufmannsfamilien wie die Rastburgers häufen ungeahnte Reichtümer an, doch Hunger und Armut sind für viele Einwohner Havenas Gefahren, die sie täglich bedrohen. Die fleißigen Handwerker und Arbeiter in Nalleshof, Unterfluren und anderen Vierteln kommen über die Runden, doch unter ihrer alltäglichen Fröhlichkeit existiert das Wissen darum, daß oft nur ein Unfall, eine schwere Krankheit sie von Armut und Obdachlosigkeit trennt.

Es gibt Viertel, in denen sich dicht an dicht Elend und Gewalt in die Gassen drängen. Die Häuser sind seit dem Beben nicht repariert worden, die Mauern lehnen sich über die engen Straßen oder aneinander um Halt zu suchen, und manch Gebäude wird von einem Dutzend Stützbalken daran gehindert, seinen Rissen endgültig nachzugeben.

In der Dunkelheit verkaufen sich ausgemergelte Gestalten für ein paar Heller an Fremde, um sich das nächste Glas Andergaster leisten zu können. Der Alkohol in den Schänken ist stark und kostet kleine Münze. Betrunkene torkeln nachts durch die Gassen, übergeben sich oder brechen zusammen, um ihren Rausch im Dreck auszuschlafen. „Biber“ nennt man die kleinen Diebe, die derlei Betrunkene niederschlagen oder ihnen gleich die Kehle durchschneiden, um ihnen die letzten Groschen und Hehler zu stehlen.

Gewalt ist allgegenwärtig im „Orkendorf“, und niemand hört Dich schreien. Weder die Schreie aus den Häusern, wo Elend sich in familiärer Gewalt entlädt, noch Schreie auf den Straßen finden Beachtung. Die Stadtgarde läßt sich hier allenfalls sehen, wenn Aufstände drohen und die Ordnung in Gefahr ist.

Rasch erwirbt man im Orkendorf die Wachsamkeit eines Mohas, das durftet ihr feststellen. Ihr spürt es, wenn sich jemand in der Dunkelheit von hinten nähert. Ihr wäret gerne woanders, doch die Schmalheit eurer Geldbörsen zwingt euch in die Gassen des Elends. Kein lohnenswerter Auftrag, kein Abenteuer mit dem Versprechen auf Gold kam in den letzten Wochen Eures Wegs. Heuern ist auch schlecht, denn der Handel auf See und Fluß ist zu einem Rinnsal verkümmert, und die wenigen Kapitäne und Händler, die noch im Geschäft sind, haben ihre festen Mannschaften.

Wenigstens habt ihr eine Unterkunft, die nicht vor Schmutz starrt und wo man nicht befürchten muß, am morgen mit einem Schnitt durch die Kehle in Borons Hallen zu erwachen. Die Taverne zum Großmast wird vom Wirt Talock Winnel als Fels im anbrandenden Elend geführt, und seine Frau Caenna kocht sehr lecker. Sicher, ist man zu betrunken oder hat ein Flittchen im Arm, dann muß man im Schuppen pennen, doch dafür ist es möglich, das Silber für die Bleibe auch mal ein, zwei Tage später in die schwieligen Hände Talocks zu drücken.

Das ist fürwahr ein Trost, denn in euren Beuteln haben die Münzen soviel Platz, daß sie nicht mehr klimpern. Oh, es waren trockene, und manchmal gar hungrige Tage in den letzten Wochen, wo es nur für das schale Bier in der Eichstube reichte.

Doch heute ist alles anders. Die Männer des Fürsten haben den gefürchteten Piraten Rhonan den Schwarzen gefaßt. Heute morgen haben sie ihn in die Stadt geschleppt. Es gab ein faires Verfahren von zwölf Minuten, und während sich die Bevölkerung zusammenfand, wurde eilends die Hinrichtung auf dem Turnierplatz vorbereitet.

Das Stiergebrüll des Piraten stieg in die Abenddämmerung, als man ihm zur Richtstätte zerrte, und er rief den Zorn und die Rache der Niederhöllen auf die Stadt herab. Ein Nicken des Fürsten Cuanu, und das breite Schwert des Henkers machte dem Gezeter ein Ende. Dann erging es Rhonans Spießgesellen nicht besser, und ihrer mehr als ein Dutzend ließen das Leben auf dem Schafott, das im Blute ihrer Gerechtigkeit schwamm.

Die ganze Stadt feiert, und auch im Orkendorf werden die Becher auf den Fürsten gehoben. Die Stadtgarde hatte sich kurz blicken lassen und Beutel mit Silbertalern bei den Schankwirten gelassen, auf daß ein jeder Bürger Havenas seinen Fürsten mit Bier und Schnaps preisen kann.

Es geht hoch her in den Schänken, die Luft ist dick und schneidend. Man läßt den Fürsten hochleben, man trinkt auf den Schneid von Chard Beannard, den Stadthauptmann, der den Piraten in einem nahen Rasthaus an der Straße nach Abilacht fangen konnte. Heute Nacht sind alle dem Fürsten ergeben.

Samstag, 5. August 2017

Neues aus der Welt der Verliese

Für alle Freunde von Dungeon World - davon solls ja einige geben - und für alle die sich von der Sprachbarriere haben abhalten lassen einer zu werden: Good news, everyone. System Matters, die sehr ordentlich beispielsweise mit Beyond The Wall vorgelegt haben, veranstalten ein Krautfunding für eine deutsche Übersetzung des Systems. Die Aktion läuft bis September und soll 14.000 Euro einbringen. Sollte zu schaffen sein. Hier kann man sich beteiligen.

Ich passe, denn Dungeon World ist so gar nicht mein Ding. Macht aber nix, viele werden sich (hoffentlich) freuen, und ich wünsche viel Erfolg.

Was mich nur etwas wundert: Im Text steht etwas von mehr als 500 Seiten. Ich hab das Original schon lange nicht mehr, war das vergleichsweise (Unterschied Deutsch-Englisch) auch so fett? Kann ich mich gar nicht dran erinnern.

Naja, was solls. Das Projekt, das ich gerade übersetze, macht das auch nicht ohne mich, also zurück ins Open Office (*wiplash*).

Freitag, 14. Juli 2017

Rollo-Futter XXIV

Sommerzeit. Grillzeit. Auch damit kriegt man hungrige Rollenspieler satt. Wir grillen heute mal gegen den Trend. Der ging in den letzten Jahren ja zum Smoker, und mittlerweile kann man sogar beim Discounter als Spareribs und Pulled Pork getarnte Zuckerbomben erwerben. Beim Thema BBQ und Zucker scheiden sich die Geister. Ich verwende maximal einen Löffel Rohrzucker für ein Kilo Fleisch, während ich letzt ein Spareribs-Rezept in Händen hielt, das für dieselbe Menge 3 Tassen voll Zucker verwendete.

Urgh.

Zurück zum Thema. Fahren wir anstelle des entschleunigten Smokens heute mal den Grill so richtig hoch und betreiben das, was ich Schmiedefeuergrillen nenne, inspiriert von asiatischem Streetfood.

Dienstag, 11. Juli 2017

Das D&D Spielerhandbuch

Den Homerikern gebührt das Verdienst, das älteste Rollenspiel in seiner aktuellen Inkarnation ins Deutsche übersetzt zu haben. Die verkaufen das sogar an ihre Kunden. Natürlich ernten sie im Szenenetz dafür Unmut mit Vokabeln und Phrasen wie "unzumutbar", die Übersetzung sei "ekelhaft" (ohne Scheiß!), "gut, daß man es umtauschen kann" und so weiter.

Seufz.

Schauen wir uns das gute Stück mal an. Schwer und wertig gebunden, nicht gewellt und mMn bessere Qualität als das Original. Optisch entspricht es der englischen Ausgabe. Der Font ist sagen wir mal seniorenfeindlich, das mag ich nicht.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Rollo-Futter XXIII

Capt'n Sophias Photos
Im Mai beschrieb ich in einem Post die harte Arbeit, die man als SL hat, um Genresicherheit zu erwerben. Ich erwähnte dort auch das legendäre Salmagundi und versprach später einem Leser bei G+ das Rezept. Das hole ich hier nach.

Salmagundi ist weniger ein Rezept als eine wilde Mischung, die ein klein wenig an einen Chefsalat oder an einen Salade Nicoise erinnert. Die Bestandteile sollen in Textur und Geschmack möglichst konträr laufen und umfassen neben Salat und Gemüse fast immer Eier, Fische und Fleisch.

Die Speise geht zurück bis ins 17. Jahrhundert und soll auch auf Piratenschiffen verzehrt worden sein. Da glaube ich jedoch warf ein verzweifelter Smutje alles auf den Tisch was er in der leeren Kammer noch finden konnte und nannte es großspurig Salmagundi, um den Geschmack der Depression zu mildern.

Alte Originalrezepte finden sich unter anderem in The Art of Cookery Made Plain and Easy aus dem 18. Jhdt. oder The Virginia Housewife: Or Methodical Cook von 1824 (als Faksimile erhältlich). Eine tiefschürfende Besprechung zum Thema findet sich in der New York Times vom 16. Januar 1978.

Dazu haben wir aber keine Zeit, wir wollen kochen. Bald kommen hungrige Spieler auf der Suche nach dem Blutgold der Sieben Winde. Schönes Abenteuer, macht viel Spaß.

Salmagundi für 6 Personen oder 4 sehr hungrige Piraten

Für mein Salmagundi verbinde ich unauffällige 2000er Euro-Küche mit einem deutschen Buffetklassiker der 1950er und werfe dann Fleisch und Meeresfrüchte drauf. So ungefähr. Das Ganze wird auf Tellern garniert, die ausreichend groß dimensioniert sein sollten. Ein Salmagundi-Teller darf aber ruhig voll aussehen.

Zutaten

Eier 12
Dijonsenf, 1 TL
Mayonnaise, 2 EL
Salz
Pfeffer
Sardellen aus dem Glas, 24
Schwarze Oliven und Kapern ad libitum

Lauchzwiebeln 8
Rosinen eine Handvoll
Balsamico 1/2 Tasse
Olivenöl 1/2 Tasse
Salz
Pfeffer

Eisbergsalat 1
Salatgurke 1
Roma-Tomaten 3
Rote Grapefruit 1

große Crevetten 12
Steak aus der Rinderhüfte 4 à 150g
Pfeffer
Salz

Zubereitung

Schritt 1: Ich koche 12 Eier nicht zu hart, schrecke sie ab und stelle sie erst einmal zum Auskühlen beiseite.

Schritt 2: Ich fange jetzt mit dem Dressing an. Ich will nicht einfach Essig oder Limette drübergießen, sondern auch hier eine "Konfrontation von Aroma und Textur" erreichen. Ich liebe diese abgehobenen Küchengettoslang. Ich schneide 8 Lauchzwiebeln sehr fein und werfe sie in eine kleine Schale. Dann gebe ich eine handvoll Rosinen dazu und übergieße das Ganze mit 1/2 Tasse Balsamico. Gut durchmischen und zum Ziehen beiseitestellen.

Schritt 3: Das Gemüse - Eisbergsalat, Salatgurke, Roma-Tomaten - wird nun gewaschen, ggf. geschält und in kleine Stücke geschnitten. Alles wandert in eine Salatschüssel. Die Grapefruit wird geschält und das Fruchtfleisch so dünn wie möglich filetiert. Die Filets kommen zum Salat und alles wird vorsichtig durchgemischt.

Schritt 4: Zeit für die Eier. Diese sind ausgekühlt. Sie werden geschält, halbiert und das Eigelb vorsichtig in eine weitere Schüssel gebrockelt. Die Eiweißhälften sollten unversehrt bleiben. Das Eigelb mit der Gabel zerdrücken. Dazu gebe ich einen knappen TL Dijonsenf, 2 EL Mayonnaise, zwei Prisen Salz und schöne Portion frisch geschroteten schwarzen Pfeffer. Das Ganze wird zu einer geschmeidigen Masse verrührt (ggf. Mayonnaise nachgeben) und in die Eiweißhälften gefüllt. Ich persönlich schätze auch noch einige Spritzer Tabasco Habanero in der Eigelbmasse.

Schritt 5: Anrichten Teil I. Ins Zentrum eines jeden Tellers häufe ich nun einen Salatberg. Darum richte ich pro Teller 4 Eierhälften an. Jede wird garniert mit einer Sardelle aus dem Glas oben drauf. Wer sie mag bekommt zu jedem Ei noch ein, zwei schwarze Oliven dazu. Kapern machen sich auch gut.

Schritt 5: Sauce Teil II. Ich rühre die Salatsauce gut um und gebe während des Rührens noch 1/2 Tasse Olivenöl dazu. Dann würze ich behutsam mit Salz und drehe fröhlich und mit Enthusiasmus an der Pfeffermühle. Ich überziehe das Arrangement auf dem Teller jetzt mit dem Dressing.

Schritt 6: Die Hüftsteaks werden in einer sehr heißen Butter-Olivenölmischung in schweren Pfannen kurz rosa gebraten. Aus der Pfanne nehmen, mit Salz und Pfeffer würzen.

Schritt 7: Anrichten Teil II: Die Steaks werden direkt nach dem Würzen in dünne Scheiben aufgeschnitten. Je ein aufgeschnittenes noch heißes Steak wird zusammen mit 2 Crevetten auf dem Salatbett angerichtet und auf Wunsch gerne vorsichtig mit der Salatsauce beträufelt.

Et voilà: Salmagundi. Serviert wird es mit Baguette. Als Tischwein empfehle ich einen nicht zu diffizilen, robust-trockenen Weißen mit wenig Säure, z.B. einen jungen rheinhessischen Grauburgunder.

Oder Jamaika-Rum.










Sonntag, 2. Juli 2017

NASA Denies That It’s Running a Child Slave Colony on Mars


Unsere alltägliche Realität (?) hat in den letzten Jahren derartige Höhen an Absurdität erreicht, daß sich eine Staffel für mein American Nitemare-Setting mittlerweile recht einfach schreibt. Vor ein paar Jahren mußte ich noch richtig meine Phantasie anstrengen, aber mittlerweile ist David Lynch kein Surrealist mehr, sondern nur noch ein Chronist unserer Welt.

"Die Welt ist so voller Schwachköpfe und Narren, daß man nicht nötig hat, sie im Tollhause zu suchen."


(Johann Peter Eckermann, Gespräche mit Goethe)

Heutzutage sammle ich Schlagzeilen. Absurde, wahnwitzige Schlagzeilen. Sie müssen natürlich den gewissen Dreh aufweisen. Die Geschichte, die Clintons seien in einen Kinderporno-Ring verwickelt, der von einer New Yorker Pizzeria aus operiere, die vor einigen Monaten rumging, die war ebenso schwachsinnig wie langweilig. So schlimm es ist, so ist doch eine New Yorker Pizzeria ein viel zu vorstellbarer Ort für so ein widerliches Unterfangen. Und wer will überhaupt noch was von den Clintons hören? (Die sind soooooo Staffel 3).

Aber so ein Gold, wie es vor zwei Tagen in meinem Stream auftauchte, das suche ich: "NASA Denies That It’s Running a Child Slave Colony on Mars". Das stand im Daily Beast als Schlagzeile. Die Story dahinter ist wie gesagt pures Gold.

Ich sammle solches Material konzentriert über ein paar Wochen. Irrwitzige News aus (fast) ganz normalen Medien. Wenn man einen Blick dafür entwickelt, muß man nicht mehr groß suchen. "A report on Alex Jones’ InfoWars claiming child sex slaves have been kidnapped and shipped to Mars is untrue, NASA told The Daily Beast on Thursday." Es sind nicht die "Berichte" auf Seiten wie InfoWars, die ich haben will, sondern die Reaktionen der normalen (?) Welt auf diesen Wahnsinn.

Anders gesagt: Daß Alex Jones von Marskolonien faselt, ist langweilig und erwartbar. Der Mann rennt bellend durch die Wälder. Daß die NASA dementiert, dazu noch verdächtig spezifisch, das ist dann "Mann beißt Hund".

Erst diese Reaktionen ergeben das Rohmaterial für American Nitemare. Wenn ich sechzig, siebzig von diesen Sachen habe, erkläre ich sie einfach alle für zutreffend, suche die "Zusammenhänge", "Hintermänner" und Zielsetzungen. Ich tauche einfach mein Hirn für ein paar Tage in Schlamm. Und schließlich ergibt sich aus diesen Einzelteilen vor meinem geistigen Auge ein geschlossenes Wahnbild ein Setting für diese Staffel. Ein paar Dinge muß ich meist unter Bedauern rauswerfen.

Wenige Monate nach dem Spiel hat mich die Realität in der Regel schon wieder mit Lichthupe und Gelächter auf den Standstreifen gedrängt, und ich blicke trübe den entschwindenden Rücklichtern hinterher.

Trotzdem habe ich angesichts der hier zitierten Schlagzeile tatsächlich wieder Lust, doch noch eine vierte Staffel anzuhängen. Zu blöde, daß wir das Thema "geheime NASA-Sklavenkolonie auf dem Mars" schon in Staffel 1 verbraucht haben.

Update: Gerade über D6ideas erfahren, daß dieser kleine Post in den diesmonatigen Karneval "Rollenspiel im alltäglichen Leben" paßt. Na, denn. Nehm ich mal wieder (verunfallt) teil.

Warum nochmal?

Das Bild links zeigt, was man bekommt, wenn man heute (Samstag) abend nach 22:00 die Hauptnachrichtensendung des ZDF, heute um 19:00, abrufen will.

Warum zahle ich als nicht TV-Besitzer nochmal Gebühren?

Samstag, 1. Juli 2017

Lesung der besonderen Art

Es gibt wenige News, die ich einfach so unkommentiert weiterleite. Diese gehört dazu:
"Der Thriller- und Agentenroman-Autor John le Carré stellt seinen neuesten Roman A Legacy of Spies in der Londoner Royal Festival Hall vor – und Kinozuschauer in ganz Europa können im Kino um die Ecke mit dabei sein."
Alles weitere zum Ereignis kann man hier erfahren.

Freitag, 30. Juni 2017

Kleine Kostbarkeiten.

Im Kriege ist die Wahrheit so kostbar, dass sie immer von einer Leibwache von Lügen umgeben sein sollte.
(Winston Churchill)

In der ZEIT und anderen Medien wird heute vermeldet, die zivilen Opfer des Angriffs auf Chan Scheichun seien durch Sarin umgekommen. Zu diesem Schluß sei die internationale Kontrollbehörde für Chemiewaffen gekommen. Allerdings:
Die OPCW-Mitarbeiter hatten Gewebeproben von Opfern und Proben des Bodens untersucht sowie mit Zeugen gesprochen; sie waren aus Sicherheitsgründen aber nicht nach Chan Scheichun gereist. Es sei nicht ihre Aufgabe gewesen zu untersuchen, wer für den Angriff verantwortlich war, teilte die OPCW mit.
Angesichts der Tatsache, daß das Gebiet nach wie vor den Rebellen untersteht, sollte man die Frage nach der Herkunft der Proben nicht einfach beiseite wischen. Solange diese nicht ausreichend beantwortet ist bleibt festzustellen, daß Sarin in Proben gefunden wurde, die angeblich aus dem fraglichen Gebiet zur fraglichen Zeit stammen.

Mehr nicht.

Soviel Mißtrauen ist angebracht. Auf den Videos und Bildern sind viele Ersthelfer zu sehen, auch Weißhelme darunter, die ohne Handschuhe erste Hilfe vor Ort leisten (Link, Link, Link). Das hätte bei Sarin dazu geführt, daß sich etliche dieser Helfer ebenfalls vergiftet hätten, wie uns Tante Wiki verrät. Davon ist aber nichts bekannt (was nicht heißt, daß es nicht passiert ist).
Nervenkampfstoffe wie Sarin sind bereits in sehr kleinen Mengen tödlich. Angriffsfläche ist dabei der gesamte Körper, wobei die Aufnahme insbesondere über die Augen, Haut und Atmungsorgane erfolgt; letztere machen hierbei den Hauptanteil aus, da Sarin leicht flüchtig ist. Schutz gegen das Eindringen von Sarin in den Körper bietet daher nur ein Ganzkörper-Schutzanzug mit Atemschutzmaske.
Man sollte angesichts dieser beiden Fakten - ungeklärte Herkunft der Proben und unzureichend gegen Sarin geschützte Helfer ohne Folgen - vielleicht etwas vorsichtiger mit Rückschlüssen sein. Unsere Regierung natürlich nicht. Sie nimmt das als Faktum und legt es erwartbar Assad auf die Türschwelle. Narrative statt Nachrichten. Die großen Hauptnachrichtensendungen werden den entsprechenden Spin schon liefern.

Und ich sitz wieder einfach nur da und wüßte wirklich gerne, was passiert ist. Geht mir in den letzten Jahren häufig so.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Und weg sind sie.

So I guess the next best thing I can do is take your precious cellphone...and smash it.
(Izaya Orihara)

Auch als Handies noch mit Ausziehantenne und zwo Kilo Gewicht ausgeliefert wurden, hatte ich schon was gegen die Dinger am Spieltisch (das war damals aber auch selten). Hat sich mit den Smartphones nicht geändert, abgesehen von Settings, in denen sie das Spiel bereichern können.

Allerdings habe ich nie ein Verbot, sondern stets nur die dringliche Bitte ausgesprochen, die Dinger abzuschalten (was zumeist auch befolgt wurde). Jetzt aber habe ich - via fefe - eine wissenschaftliche Grundlage, die Dinger nicht nur ausschalten, sondern gar nicht erst ins Spielzimmer zu lassen. Kurz gesagt: Smartphone im Zimmer macht den Nutzer dümmer.
Consistent with the behavioral and self-report results observed in experiment 1, the results of experiment 2 suggest that the mere presence of consumers’ own smartphones may adversely affect cognitive functioning even when consumers are not consciously attending to them. Experiment 2 also provides evidence that these cognitive costs are moderated by individual differences in dependence on these devices. Ironically, the more consumers depend on their smartphones, the more they seem to suffer from their presence—or, more optimistically, the more they may stand to benefit from their absence.
Et voilà. Thank you Science.

Dienstag, 27. Juni 2017

Sag mir, wo die Fliegen sind

Mädchen aßen sie geschwind? Na, ich hoffe nicht. Ich rede von der normalen Stubenfliege, Musca domestica. Ich lebe am Waldrand, ein Schafstall mit fast 300 Schafen liegt keine 500 Meter von meinem Haus. Wildschweine und Rehe streifen durch den Garten (und fressen die Rosen, die Drecksviecher).

Normalerweise ist hier ab April Fliegensaison. Trotz Fliegengitter an allen Fenstern und Türen muß ich diese Leimstreifen aufhängen und einmal die Woche wechseln, weil sie dann voll sind. Und wenn du mal draußen bist und was mampfst, dann kommen die grün-schillernden Kameraden von der SA (Schmeißfliegenarmee) und brummen um dich herum.

Normalerweise. Ab April. Jedes Jahr. Dieses Jahr? Nichts. Ich meine nichts. Zwei, in Zahlen 2 Stubenfliegen hatten wir dieses Jahr. Die Schmeißfliegen sind auch kaum der Rede wert. Beschäftigt mich seit Mai, die Abwesenheit. Dann hab ichs zufällig beim Tierarzt erwähnt und erhielt zur Antwort: "Komisch. Ja, jetzt wo Sies sagen: Bei uns auch."

Hat mich stutzig gemacht. Der Mann wohnt mehr als sechs Kilometer von mir. Ich wollte mehr wissen und Leute befragen. Das ist jetzt etwas dünnes Eis. Fliegen beiläufig in ein Gespräch einbinden. Ich vermisse sie zwar, aber das ist mehr... abstrakt? Und ich wollte meine Gesprächspartner ja nicht unbedingt verschrecken mit einer Erscheinung als Mann mit sehr seltsamen Vorlieben. Meine Erscheinung und meine Art insgesamt sind für die nordpfälzische Provinzbevölkerung schon anstrengend (aber sie geben sich alle Mühe und sind nett, und das find ich toll. Insofern hier auch mal Kudos für meine geliebte Wahlheimat).

Jedenfalls beim zwanglosen Plaudern über Stubenfliegen und ihre Abwesenheit im Supermarkt, beim Bäcker, auf der Poststelle, im Tabakladen - überall dieselbe Antwort:

"Komisch. Ja, jetzt wo Sies sagen: Bei uns auch."

Und das finde ich scheiß beunruhigend. Das ist auf meiner Karte ein Radius von fast 30 km im Eck zwischen den Kreisen Bad Kreuznach - Kusel - Donnersberg. Insofern hier auch an alle Leser dieses Blogbeitrags die Frage: Siehts bei euch auch ungewöhnlich aus mit Stubenfliegen (und ungefähr wo in Deutschland)? Und mit Grillen, davon höre ich nämlich auch nur wenige in der Nacht.

So fangen Horrorfilme an. Oder hat irgendjemand 'ne andere Erklärung?

Bullshit-Index: 0,08!

Update 4. Juli 2017:

Situation hat sich gebessert. Sie sind jetzt seit drei Tagen da, immer noch nicht die gewohnte biblische Plage, aber ausreichend störend. Jetzt kann ich sie wieder hassen. War wohl tatsächlich der sehr kalte April / Mai, wir haben bis in den Juni heizen müssen.

Schwedische Blutschwere - Erste Eindrücke von Symbaroum

Mein Symbaroum ist vor einiger Zeit angekommen, und mittlerweile konnte ich es lesen. Ich bin ja auf eine deutsche Ausgabe gespannt, seit dem ich 2014 das Gerücht in die Welt gesetzt habe, es könne eine geben. Jetzt habe ich genug für erste Eindrücke im Blog gelesen.

Hinweis 1: Dies ist keine "Review" oder "Rezension", dies sind Eindrücke vom Lesen. Andererseits sind die meisten Systemrezensionen keine solche, da für eine anständige Rezension eine Spielerfahrung von 20 Stunden oder mehr notwendig ist, was aber die wenigsten Rezensenten aufweisen.

Hinweis 2: Ich arbeite seit 2016 als Übersetzer für Savage Worlds mit Prometheus zusammen. Macht mich das zum Jubelperser? Nö. Wäre es schlecht geworden, hätte ich keine Besprechung verfaßt, so loyal bin ich. Aber ich schreibe nicht gegen meine Überzeugung. Insofern: Spoiler Alert! Ich mag das Buch.

Material und Übersetzung

Das Buch selbst ist dunkel, schwer und prachtvoll bebildert. Die Textgliederung ist übersichtlich, ein Index ist vorhanden (einer der ganz dicken Pluspunkte) und ein grünes Lesebändchen komplettiert das Werk. Ich bin kein großer Freund von Hochglanzpapier, aber alles in allem ist das ein großartiges Buch geworden.

Die Übersetzung ist solide. An einigen, wenigen Stellen lupfte ich die Augenbrauen. Umgekehrt bin ich mir sicher, haben die Kollegen das einigen Stellen meiner Übersetzungen auch getan. Übersetzungen stellen nie irgendjemand vollständig zufrieden, das ist Teil ihrer Essenz. Und wir kennen oft, wenn wir werten, auch das Original nicht.

Überhaupt sind auch Originale ja selten unumstritten. Während einige (wenige) das neue DSA5-GRW gerade in dieser Hinsicht lobten, frage ich mich immer noch, ob und wie die Übersetzer der englischen Ausgabe dieses dröge stelzende Prokuristendeutsch in lesbares Englisch überführt haben. Die Neugier ist allerdings nicht groß genug, es mir zuzulegen.

In summa: Der Text ist sprachlich fast durchweg grundsolide, liest sich flüssig und verständlich. Die Settingpassagen kommen manchmal richtig "stimmungsvoll" daher. Mehr erwarte ich nicht.

Samstag, 17. Juni 2017

Erweckungsspieler

Erweckungsspieler/in, der/die: Rollenspieler, der seine persönliche Epiphanie erlebt hat, sich zum Monosystemismus bekennt und der damit verbundenen Verlockung des Missionierens erlegen ist. Lebt diesen Hang überall aus. Siehe auch Zeugen Jehovas. Beispiele:
PowerOrc89: Morgen knüppelhartes Dungeon bei Thilo. Baue gerade einen Tiefling-Sorcerer Stufe 15 und hänge ein bißchen am optimierten Build, besonders Items. Brauche dringend Profi-Hilfe! System D&D 3.5 mit allen Optionsbänden von WotC.
Sonnenpony: Du mußt FUNZ spielen. Bei FUNZ hast du keine Probleme mit "optimierten Builds", da beschreibst du deinen Charakter mit narrativen Zuordnungen die man SCHERBEN nennt (weil sie nur eine Facette deines Charakters abbilden). Das FUNZT einfach und führt zu einem viel besseren Spiel als garstiges D&D. Pony! Pony!
PowerOrc89: Ja klasse, das hilft. 
Oder;
Weltenbauer33: Okay. Mein fein granuliertes System mit taktischem Anspruch ist in den letzten Zügen der Bearbeitung. Frage in die Runde: Bei der Initiative bin ich mir nicht sicher, welche Attribute (Kraft, Geschicklichkeit, Verstand, Wahrnehmung) mit einfließen sollen. Ich tendiere dazu alle zu berücksichtigen. Meinungen?
G.I. Bob Baumeister: Machs dir doch nicht so schwer. Bei SOCKS beginnt der, der gerade die Socke des Vertrauens (TM) hält und erzählt in 450 Silben oder mehr, was sein Charakter macht. Dann gibt er die Socke des Vertrauens (TM) an einen Spieler seiner Wahl weiter. Gibt er sie an den SL weiter, dann sind die NSC dran.
Weltenbauer33: Was an "fein granuliertes System mit taktischem Anspruch" hast du nicht verstanden? Bitte in 20 Silben oder weniger.
G.I. Bob Baumeister: Muß dieser Hatespeech sein?

Disclaimer 1: Bei weitem nicht alle FUNZ- und SOCKS-Spieler sind Erweckungsspieler. Aber ein ungewöhnlich hoher Anteil Erweckungsspieler legt sein Bekenntnis auf FUNZ oder SOCKS ab.

Disclaimer 2: Anmerkungen und Schilderungen zu FUNZ und SOCKS - auch solche im glühenden Ton des Glaubens - sind auch biestigen alten Männern wie mir willkommen, wenn sie hilfreich zu einem Thema beitragen. Aber eben nur dann.

Disclaimer 3: Für welche realen Systeme FUNZ und SOCKS jeweils stehen, wechselt ca. alle fünf Jahre.





Mittwoch, 7. Juni 2017

Äääääähhhh....

Humm. Homm. In der neuesten konkret schreibt Leo Fischer über die Infantilisierung an deutschen Hochschulen. Auch wenn ich dumpfe Ängste und Verdächtigungen hegte - das ist heftig. Das formt den Titel des Beitrags zu einer Musterübung in vornehmer Zurückhaltung.

Im Laufe dieses Beitrages erfahren wir beispielsweise von Josefines Existenz. Sie wird Literaturwissenschaften studieren. "Bravo" möchte man als alter Geisteswissenschaftler rufen, doch dann teilt sie mit uns, was sie am "VORbereitungskurs Literaturwissenschaften" (der Sinn dieser Schreibweise offenbart sich in einer parallelen Dimension) ganz knorke fand:
Mir hat es sehr gut gefallen, dass wir über verschiedene Autoren gesprochen haben, da ich mich bisher mit deutscher Literatur nicht so viel beschäftigt habe. Mir hat es auch gefallen, dass wir auf die Unterschiede zwischen Drama, Prosa und Lyrik eingegangen sind. Ich wusste natürlich, dass es welche gibt, aber die Frage ist dann: Welche? Jetzt weiß ich es.
Hier entsteht im Kopf des Lesers eine Pause, die wir hiermit füllen, während wir uns überlegen, ob wir wissen wollen, daß Josefine da draußen ist und Literaturwissenschaften studiert. Ich wäre lieber unwissend geblieben.

Was zur Hölle hat die 12 oder 13 Jahre lang in der Schule gemacht?! Fischer spricht im Zusammenhang davon, daß die Unis die Alphabetisierung noch einmal nachholen würden (und wahrscheinlich auch müssen). Warum? Was lernen die Kinder in rund 1500 Stunden Deutschunterricht an der Schule?

Der Rest des Artikels schaut gleichfalls trübe aus, und Hoffnung spüre ich da gar nicht. Das ist ein Offenbarungseid für das, was sich selbst großkotzig als Bildungsrepublik anpreist. "Unser Rohstoff sind gut ausgebildete Menschen." Willkommen in der Rohstoffknappheit. Das wird böse enden.

Freitag, 2. Juni 2017

Business as usual

Durch die Nebel bewegt sich die Gruppe langsam in Richtung Hafen zur Versteigerung des Diebesguts. Da man kaum die Hand vor Augen sieht, ist die Orientierung schwer und alle Eindrücke flüchtig bevor sie mit den Nebeln verschmelzen.

Deswegen sehen sie die zusammengekauerte Gestalt im Rinnstein erst, als sie fast vor ihr stehen: Ein junger Mann, auf den Quendillion und Tjörn sofort hilfsbereit zustürmen. Durch die plötzliche Aktivität um ihn herum wacht der Mann auf und während er sich aufrappelt, erkennen Quendillion und Tjörn, dass er kurz davor steht, am Frass zu sterben. Tjörn scheitert beim Versuch ihn zu heilen und eine Untersuchung sagt ihm, dass der Mann nicht überleben wird.

Mit dem Gedanken, die Ausbreitung der Seuche in der Stadt zu verhindern, beschließt Tjörn kurzerhand, den Mann mit seinem Hammer zu erschlagen. Der fast Wahnsinnige und völlig verängstigte Kranke flieht instinktiv vor ihm zur nächsten Priesterrobe und fällt Pater Ron zu Füßen. Doch der sieht nur zu, wie Tjörn mit einem brutalen Schlag den Schädel des Mannes zertrümmert. Danach zünden alle zusammen die Leiche an, und Ron betet für das Seelenheil des Mannes.

(Ich gehe grade hunderte Seiten Spielprotokolle aus den Nullerjahren durch. Ja, da gibt es einige echte Klopper.)

Donnerstag, 1. Juni 2017

Advanced Basil Smash

Erfunden hat diesen Cocktail Jörg Meyer aus dem Hamburger Le Lion vor ein paar Jahren (wahrscheinlich). Seitdem hat er sich zunächst zum Hipster-Liebling gemausert und schließlich sogar den Weg in den Stern gefunden, eine Hochglanzpostille, die mal Anspruch hatte.

Das wollen wir nicht gegen ihn verwenden, denn nett ist der Drink trotzdem. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht a) was zum Mäkeln fände und b) es besser machen wollen würde. Obs gelingt, kann der vergeigte Leser dann selbst entscheiden. Zunächst möge er das oben verlinkte Original mixen und verkosten. Das sieht so aus wie auf dem Bild. Dann kann er sich an meiner Variante versuchen.

  • 12 Basilikumblätter in einem Mörser trocken kräftig anstößeln.
  • 2 cl Gin dazu geben, um alles gut zu lösen. Der Trick ist: Wir nehmen einen billigen Gin. Wir lassen meine geliebten Mix-Standards Tanqueray Rangpur und Greenall im Schrank stehen und nehmen den Billig-Gin Finlays von Edeka. Der steht dem ganzen geschmacklich weniger im Weg.
  • Das Gemisch aus dem Mörser in den Shaker umgießen. Auffüllen mit
  • 4 cl Gin natürlich von derselben Sorte
  • 2 cl Limettensaft, der ein weitaus feineres Aromenspiel mit dem Basilikum erreicht als Zitrone und
  • 1 cl Zuckersirup, keinesfalls aus Rohrzucker gekocht, sondern aus Puderzucker oder mindestens weißem Zucker.
  • Eis reingeben (etwa eine kleine Hand voll crushed Ice) und sehr gut und ausdauernd schütteln.
  • In einen Champagnerkelch oder ein Martiniglas seihen, ohne Teesieb einfach durch den normalen Seiher. Die kleinen Basilikumfragmente im Drink sind gewollt. 
  • Serve straight up. Cocktailgarnituren sind für kleine Mädchen beim ersten Barbesuch.

Et voilà, so macht man aus einem Hipsterdrink einen klassischen short sour. Als alter Rollenspieler nenne ich das natürlich Advanced Basil Smash. Prost. (Angeregt durch Cthulhu-Monopoly.) Alle Ehre gebührt natürlich nach wie vor dem originalen Schöpfer; auf die ebenso geniale wie (im nachhinein) naheliegende Idee, die klassische Gin-Zitrus-Basis mit Basilikum zu vermählen, muß man auch erstmal kommen.

Ach ja: Prost.

Dienstag, 30. Mai 2017

Triste Tentakelspiele

Hulla. Heute wurden bei den Teilzeithelden die Publikumspreise der Roleplaying Convention aufgelistet, einer, wie die TZH betonen, der "bedeutendsten Publikumspreise der Phantastik in Deutschland". So steht es da.

Ja. Steht da so. Ohne rot zu werden. Wenn das nicht stimmt, sollte das rot werden vor Scham. Wenn es stimmt, vielleicht noch mehr.

Nicht nur, daß alle Preisträger so mainstreamig sind wie Hosenträger im Washingtoner Politikbetrieb (Hennen, Heitz, DSA), hat sich der eine oder andere echte Klopper an Verirrung auch noch reingemischt.

Das "beste Gesellschaftsspiel" - laut Publikum dieses Publikumspreises - ist tatata: Monopoly! Natürlich ein besonderes Monopoly, das "Monopoly Cthulhu". Ich kenn jetzt einige der Sondereditionen dieses "Klassikers" (viele Anführungszeichen in diesem Post), und in der Regel sind das einfach nur die normalen Regeln mit anderen Bildchen auf dem Brett.

Ich habs mir echt nicht vorstellen können, daß sowas den ersten Platz abräumt und vermutete eine Variante. Leider, leider durfte ich auf Amazon erfahren, daß sich Vertrauen in die Menschheit mal wieder ohne Daseinsberechtigung in meine Seele geschlichen hatte.
Das Spielziel bleibt unverändert, es gilt die Gegenspieler zu ruinieren und/oder selbst das meiste Geld zu sammeln. Auch das Spielprinzip bleibt natürlich gleich. (...) Diese Edition ändert nichts am Spielablauf selbst.
Wer Monopoly mag, hat auch Spaß dran, Frösche aufzublasen, bis sie platzen. Als Erwachsener. Und das Publikum fand im gesamten Bewertungszeitraum kein besseres "Gesellschaftsspiel" als Monopoly, denn genau das ist es. Und warum?
Sie [diese Edition] bringt die nervenaufreibende Stimmung der klassischen Bücher und Hörspiele nun auch auf das Brett. Das Spielbrett sowie die Karten und die (Sammler-)Spielfiguren (Necronomicon, Tafel der Kultisten, Cthulhu-Statuette, Glänzendes Trapezoeder, Das Hunde-Amulett, Dagon-Dolch) sind thematisch und detailliert gestaltet worden und bringen die irrsinnige Atmosphäre der Figuren und Orte thematisch auf den Spieltisch!
Dieser ranzelnde Kadaver wird also zum "besten" Gesellschaftsspiel gekürt, weil ein cleverer Verlag die Ikonographie der rassistischen Vorstellungswelt eines Hyperneurotikers aufs Spielbrett gepappt hat, ohne, daß das eine Verbindung zum eigentlichen Spielgeschehen hätte. Gratuliere Jahr 2017, gut gemacht.

Wenn man nun theoretisch davon ausgehen könnte, daß zum "Publikum" dieses Publikumspreises ein Haufen Rollenspieler gehören (immerhin ist das die "Roleplaying Convention"), würde das Trends auf dem RSP-Markt ebenso erklären wie etliche Begegnungen, die ich in der Vergangenheit so hatte. Naja. So spar ich einen Haufen Geld weil es viele neue interessante Produkte nicht geben wird. Dafür werden dann eben triste Tentakelspiele in Nazi-Uniformen abgefeiert.

Soll mir recht sein.

(Bullshit-Index ohne Fremdzitate 0.19)

Mittwoch, 24. Mai 2017

Mystara Mega-Bundle

Ich machs kurz. Zum B/X bzw. BEAM-Setting Mystara gibt es jetzt auf Drive Thru ein wirklich absolutes Mega-Bundle: Alle vierzehn Settingbände (Gazetteers) und die D&D Rules Cyclopedia für ganze fünfzehn (15) US-Dollar.

Johohoho. Is denn scho Weihnachten?

Samstag, 20. Mai 2017

Ui, was Feines

So ganz hintenrum, ohne, daß ich es mitkriegen kann (also über Facebook), kündigen die Homeriker eine neue Battlemech-Box an. Sie erscheint mir nicht ganz so üppig ausgestattet wie die alte Box von vor etwa drei Jahren, aber sie ist auch 10 Euro billiger. Als erster Schnupperausflug taugt sie wohl. Immerhin ist ja auch eine Mini-Kampagne drin zu finden, die den Vorstoß der Jadefalken auf den Planeten Barcelona zum Inhalt hat. Das Material selbst läßt sich ja für weitere Kampagnen nutzen.

Mmmh. Ach Zeit, wohin fliegst du?

Freitag, 19. Mai 2017

Genre Savvy

Was gehört dazu, wenn man eine Kampagne vorbereitet? Richtig! Genre-Kenntnis. Bevor man sich an eine ernsthafte Kampagne macht, muß man die Regeln des Genres kennen, um sie sinnvoll zu befolgen oder brechen zu können. Dankenswerterweise hat uns Hollywood ja in mehr als hundert Jahren in allen Abenteuergenres gut mit ansehbarem Genrematerial ausgestattet.

Daher im Player:

  • Captain Blood
  • The Sea Hawk
  • The Crimson Pirate (Der Film, aus dem Pirates of the Caribbean wirklich alles geklaut hat)
  • Against All Flags
  • Cutthroat Island
  • Pirates of the Caribbean (da gibts nur einen Teil, oder?)

Ich stelle mich dieser harten Aufgabe (Botucal Reserva bereit stellend) im Bewußtsein (Pfeife stopfend), daß ich das für meine Spieler halt ertragen muß (das Salmagundi sollte jetzt auch gut durchgezogen sein). Ich bin ein netter SL.

Arrrrh.

Dienstag, 16. Mai 2017

Keine Verlagsnews


Zack! Bumm! Und heute schon wieder: Irgendein Clown gerüchtelt rum, Prometheus Games habe die Savage Worlds-Lizenz verloren. Leute, das frißt mich echt an, nicht nur, weil ich mittelbar Betroffener bin. Nein, sondern weil es mir ernsthaft auf den Sack geht, daß seit Wochen so ein Unsinn gestreut wird, den man mit einem Mausklick aus der Welt räumen kann.

Solange Pinnacle Entertainment die Promethen als offiziellen Licensee führt bedeutet das was? Richtig, Sherlock, gut deduziert.

Das heißt nicht, daß es an dieser Front nicht vielleicht Klärungsbedarf gibt (ich habe davon keine Kenntnis wie alle hier), oder daß der Verlag an anderen Fronten in tiefem Wasser ist (davon habe ich Kenntnis wie alle hier). Aber diese recht schädigenden Behauptungen, die kann man sich doch sparen, oder? Da ein Sextaner mit Hirntrauma das nachprüfen kann, riecht das fast schon nach böser Absicht, wenns geposted wird.

Was alles andere in der Causa Prometheus betrifft: Ich sehe da eine schwierige Lage und hoffe und glaube auch, daß die da rauskommen werden. Wird schon.

P.S.: Besonders appetitlich finde ich die Blogger, die Posts nach folgendem Muster verfassen: "Ich hab total die heißen Insiderinfos, aber wenn ich die poste, kriege ich RICHTIG Streß, daher tu ichs nicht." Kotz. Schreibs, falls du was belegbar weißt, denn dann ist es wichtig. Falls du hingegen nur über Hörensagen verfügst, dann hör doch bitte auf, dich aufzublasen.

(Hinweis: Ich bin freier Mitarbeiter bei Prometheus Games. Dieser Artikel ist weder mit dem Verlag abgesprochen, noch steht er sonst in direkter Verbindung. Das sind simpel Beobachtungen einer Privatperson.)

Freitag, 7. April 2017

Spiel oder stirb!

Ausreichende Motivation
"Plothooks" sind der größte Blödsinn seit geschnitten Brot (ist am nächsten Morgen trocken wie ein Furz). Ich arbeite mich gerade mal wieder durch eine Großkampagne, und die halbe Seite "Plothooks", die das Designerteam anbietet, ist belangloses Blah-Blah. Am Stilbruch zum Rest des Textes merkt man auch, daß die das wissen.

Sie können ja auch gar nix anderes anbieten. Sie wissen ja nicht auf welche Spieler welcher Charaktere in welch spezifischer Konstellation ihr Text treffen wird. Der einzige, der einen vernünftigen Handlungshaken schmieden kann, ist der Spielleiter einer Gruppe.

Und wo wir gerade dabei sind: Die Spieler sollten eigentlich nur einen einzigen Handlungshaken benötigen: Ihr seid Rollenspieler, eure Charaktere sind per definitionem Abenteurer. Hier ist ein Abenteuer, go figure! Wer mehr braucht ("Was motiviert mich?"), sollte seine innere Einstellung nachjustieren und aufhören, abenteuerverweigernde Charaktere an den Tisch zu bringen.

Natürlich verpacke ich auch meine Aufhänger etwas attraktiver und aud die jeweilige Gruppe zugeschnitten, aber im Endeffekt nerven mich Verweigerer einfach nur an. Ich als Spielleiter hab mir die Scheißarbeit gemacht, etwas zu entwerfen oder mindestens vorzubereiten, und du erwartest jetzt auch noch, daß ich rumtanze. Gehts noch? Spiel oder stirb!

Dienstag, 28. März 2017

Book of the Month

Im Februar ausgefallen, weil ich das Februarbuch nicht ganz durchbekommen habe: Felix A. Münter, The Rising. Naja, was soll ich sagen? Mehr als Durchschnitt ist es nicht, und da bin ich freundlich. Über weite Strecken las es sich wie ein Hohlbein in der Handlungs- und Figurenentwicklung, allerdings wie einer der besseren aus den 1980ern. Einhergehend damit unnötige Anglizismen, sogar einige Stilblüten und eine galoppierende Adjektivitis, bei der ich mir gewünscht hätte, eine Lektor wäre dazwischengefahren wie ein Inquisitor auf dem Hexensabbat. Nö, für mich war das nix.

Das Buch für März war dann The Mitfords - Letters Between Sisters. Das sind die gesammelten Briefe der Mitfordschwestern, quasi als Ergänzung zu meiner Januarlektüre. Die 800 Seiten sind mehr zum punktuellen Lesen gedacht, zumal der für mich wirklich interessante Teil auf Seite 200 oder so endet.

Daher im April dann wieder ein interessantes Sachbuch: The Wicked Boy von Kate Summerscale. Eine Schilderung der Ereignisse um einen der viktorianischen Skandalprozesse: Die Verhandlung über den kindlichen Mörder Robert Coombes. Ich hab von dem Fall mal am Rande was mitbekommen und bin sehr gespannt. Vielleicht hat das mal genug Fleisch auf den Rippen für eine ausführliche Besprechung.

In der Belletristik reizt mich momentan so überhaupt nichts. Die Neuvorstellungen von der Leipziger Buchmesse erregen auch eher untertemperiertes Interesse.

Sonntag, 26. März 2017

"Geister sind traurige Erinnerungen ohne Zuhause"

Wie bespricht man The Vanishing of Ethan Carter? Es ist nicht direkt ein Spiel, mehr eine interaktive Elegie voll dunkler Geheimnisse. Die spielerischen Anteile dieses offiziell als "Adventure" laufenden Produktes eines kleinen polnischen Indie-Studios aus dem Jahre 2014 sind denkbar gering. Dafür sind sie originell. Beispielsweise hätte ich nicht erwartet, in einem Spiel die umstrittenen Methoden der Aufstelltherapie als forensisches Instrument nutzen zu können. Der übernatürliche Sinn des Protagonisten, mit dem er Hinweise untersuchen kann, ist auch sehr ansehnlich umgesetzt.

Technisch setzt das Spiel auf der Unreal 3 auf und reizt deren Renderingmöglichkeiten bis zum Anschlag aus. Trotzdem läuft es in voller Pracht auch auf schwächeren Maschinen, solange die GPU und der VRAM ausreichen. Es ist ziemlich sicher die schönste Arbeit für die Unreal 3. Die First-Person-Perspektive des Spieles trägt sehr zur Immersion bei, denn man kann die ganze Pracht der Welt genießen, ohne, daß andauernd irgendein Depp, der ich sein soll, im Bild rumsteht.

Der  Sound ist gediegen atmosphärisch und der Score schwankt zwischen etwas Richard Wagner und viel Mark Snow, nicht herausragend, aber stets passend.

Donnerstag, 9. März 2017

What the Hell?

Heute geschah in einer Online-Community das:
Auf Wiedersehen. Der Konsens hier in der Community verhindert meine weitere Teilnahme. Nach einigen Jahren verabschiede ich mich als aktives Mitglied.
Jo. Um es klarzustellen: In einer RSP-Community, die naturgemäß eine Unzahl an Themen diskutiert, hat das Mitglied ein Problem mit dem Konsens bei einem Thema. Und sagt "Tschüß".

Selbstverständlich hat er das gute Recht dazu, immer und jederzeit, aber, Hand aufs Herz: Warum? Weil die Community in einem Aspekt nicht so tickt wie er? Mein Gott, würde die Welt im Gleichklang schwingen, dann könnte man Huxley als positive Utopie verorten und ich entleibte mich selbst auf japanische Art. Nur in respektvollem Streite wächst der Charakter, gegenseitiges Eier(stock)schaukeln schrumpft dich, macht dich klein.

Wer sich gegenseitig nur auf auf die Schulter klopft, der hat sich nichts zu sagen.

Diese Haltung des sich vor jeder Form des Dissens Wegduckenden verarmt uns alle. Diese Community wird mehr zur Filterblase, das virtuelle Umfeld des Betreffenden wird auch mehr zur Filterblase, weil er ganz offenkundig Dissens abblockt und nur bestätigende Meinungen sucht.

Ich kenne die Person nur online, aber hier verkauft er sich mMn weit unter Wert. Und gerade weil ich in fast keiner Frage so denke wie er, wird er mir fehlen. Weil nur die Gegenmeinung mir einen neuen Blick auf meine Ansichten ermöglicht, der auch mir Neues zeigt. Aber ich fürchte, wer sich gezielt in Filterblasen zurückzieht, der versteht nicht, warum ich das glaube.

Montag, 6. März 2017

Moral und schlimme Bilder

Je nachdem, ob und zu welchem Lager du gehörst, ist die Geschichte des Herbstes 2015 ziemlich eindeutig geschrieben. In der dunkeldeutschen Vorstellungswelt wissen wir, daß eine irgendwie auf ungute Art mit der SED verbandelte Pastorentochter mit teuflischem Handrhombus und ausgewählten Spießgesellen die deutschen Grenzen für muslimische Serienvergewaltiger öffnete, um das Deutschtum auszurotten. Da gibts schon in Mein Kampf von diesem, na, diesem Dingens eine Passage um einen "kleinen Judenjungen"...

Idioten. O mein Gott. Zu blöde zum Atmen, möchte man hoffen.

Die helldeutsche Variante besoff (und besäuft) sich an der eigenen höheren Moralität (nicht Moral, o nein), beklatschte Unglückliche an Bahnhöfen (find ich immer noch zynisch) und fabulierte von der Moral, der deutschen, und davon wie Merkel mutig vorweg geschritten sei in dieser Zeit. Auch hier gings um das Wesen des Teutonen und wie es doch so viel besser sei als das der anderen Nationen. Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Land. Wir nehmen sie auf, die Geschundenen und Beladenen. In jenen Oktobertagen erschien es Helldeutschland, als solle die Welt am deutschen Wesen genesen, weil... Öh. Den Text kenn' ich auch, oder?

So richtig helle sind die jetzt auch nicht, die Helldeutschen.

Beide Geschichten, neudeutsch Narrative, hielt ich immer für absolut unglaubwürdig. Beides erfordert Charakterstärke und rasches Handeln. Nicht unbedingt von der guten Sorte, aber das verlangt halt Entschlußfreude.

Dabei reden wir von Merkel.

Angela Merkel. Baumbart wirkt kurzentschlossen gegen diese Frau, die "unsere" Kanzlerin ist. Ne, das hab ich nie geglaubt.

Und wie ich heute lesen durfte: Mit gutem Recht. In der WELT gab es heute einen interessanten Artikel zu diesen wilden Tagen, als die Massen 'gen Europa strömten. Merkel, das geht daraus hervor, hätte absolut keine Probleme damit gehabt, Flüchtlinge an den deutschen Grenzen gewaltsam abzuweisen (und der Rest der Regierung auch nicht). Es gab da nur ein kleines Problem:
Die Kanzlerin traf keine Entscheidung, sondern verlangte von ihrem Minister Zusagen, dass die Grenzschließung vor Gerichten Bestand haben würde und es außerdem keine öffentlich schwer vermittelbaren Bilder vom Einsatz der Bundeswehr gegen Flüchtlinge gebe.
Und die Welt ist wieder in Ordnung. Das ist doch die Angela Merkel, die wir kennen, mitsamt den Moralvorstellungen einer evangelischen Pastorentochter (das ist sie ja wirklich).

  • Sie trifft keine Entscheidung.
  • Verantwortung haben gefälligst Subalterne zu tragen.
  • Und um Gottes Willen keine schlechte Publicity.

Die Welt dreht sich also doch noch normal. Dann kann ich ja schlafen gehen.

TLDR: Angela Merkel wollte genau das tun, was Pegida & Co gerne gesehen hätten. Es wären halt nur so häßliche Bilder dabei entstanden.

(Bullshit-Index 0.11)


Donnerstag, 2. März 2017

The Sinister Tunnels of Greenfield

Ich folge Guillaume Tavernier schon eine ganze Weile auf Google+; er gestaltet einfach hinreißend schöne Karten, die mich immer wieder anregen. Unter anderem zeichnete er für die künstlerische Gestaltung von Evil Hats Blood on the Trail verantwortlich. Vor einigen Wochen hat er dann ein Modul veröffentlicht.

The Sinister Tunnels of Greenfield

Einsteigerabenteuer (Fantasy)
Text: Laurent B
Kartographie und Illustrationen: Guillaume Tavernier
Erhältlich auf DriveThru für $ 3,00

Material:

Das Abenteuer ist 16 + Frontcover Seiten stark und hat eine gesunde Mischung aus Text, Karten und Illustrationen. Das Lay-Out empfinde ich als trist, aber die Illus sind ordentlich und die (bereits bekannten) Karten natürlich großartig. Das PDF selbst besteht nur aus Bildern, nicht aus wirklichem Text, so daß dieser nicht suchbar ist und auch nicht extrahiert werden kann, was nicht sehr benutzerfreundlich ist. Daher kommt das eher schmale PDF dann auch auf 56 MB download.

Inhalt:

Das Abenteuer ist systemagnostisch, eignet sich aber mbMn am ehesten für OSR-artige Spiele mit niedrigstufigen Charakteren, nicht zuletzt wegen der Organisation (dazu gleich mehr). Es ist ein Intrigenabenteuer in einer kleinen Stadt, mit einem undurchsichtigen Schurken mit noch undurchsichtigeren Plänen, einem unheimlichen Waisenhaus und auch einer nicht eben kleinen Spinne. Der Höhepunkt des Abenteuers findet natürlich nach einigen Nachforschungen in den titelgebenden Tunneln statt. Das ist alles sehr bodenständig, praktisch aventurientauglich oder auch für Warhammer FRP 1 geeignet. Für alte, übersättigte Hasen ist das fast schon zu unaufgeregt. Trotzdem solide und sehr einsteigertauglich.

Die Designer verzichten auf jede Form von "Plot-Design", was ich bei Kaufmodulen immer großartig finde. Dann muß ich das nicht mühselig rausoperieren. Sie schildern die Charaktere, ihre Intentionen und die Schauplätze. Das geschieht auf 14 großzügig illustrierten Seiten. Erst am Ende folgen zwei Seiten, wie die SC involviert werden können. Klappt das nicht, so nimmt das Unheil eben seinen Lauf. Genau so soll das sein.

Fazit:

Auch wenn die Gliederung des Abenteuer mir sehr entgegenkommt, so gilt das nicht für die großen Textbrocken. Den Beschreibungen der Örtlichkeiten fehlt es arg an einer vernünftigen Struktur. Das Modul ist einsteigerfreundlich, aber der SL sollte wirklich wissen, was er tut. Trotzdem: Alles in allem ein rundes kleines Brot-und-Butter-Abenteuer, geeignet eine frische Gruppe ins Spiel zu bringen. Zehn Punkte gibt es zu erringen:

1 Punkt Abzug inhaltlich, weil es ein wirklich sehr gewöhnliches Abenteuer ist.
1 Punkt Abzug künstlerisch, weil die prächtigen Karten in dieser Gestaltung etwas verschenkt wirken.
1,5 Punkte Abzug Spieltischtauglichkeit, weil ein nur aus Bildern bestehendes PDF weder suchbar noch verarbeitbar ist. Das reduziert seine Tauglichkeit als Arbeitsmaterial. Zudem ist die Textstruktur unübersichtlich.

Fazit 6,5 von 10 Punkten, Preis-Leistung gut.

(M. Tavernier hat auch eine Patroen-Seite, falls da jemand Interesse zeigt.)

Donnerstag, 16. Februar 2017

Ui. Das ist schade, Uhrwerk.

Uhrwerk stellt die deutsche Linie für Der Eine Ring ein. Das finde ich extrem schade. Auch wenn ich mit Teilen des Regelwerks fremdle, weil sie mir extrem meta und zu behäbig-tantig gleichzeitig erscheinen, ist das Settingmaterial hingegen von einer Qualität, die es für Tolkiens Mittelerde seit den Laurin-Tagen nicht mehr gab Die Abenteueranthologien sind sogar deutlich besser als die alten Sachen von MERS. Auch die Übersetzungen taugen nach Anlaufschwierigkeiten, die lange vergeben sind.

Ein Jammer. Die Erklärung vom Verlag ist natürlich (kaufmännisch) schlüssig, aber es heißt auch, daß eben 08/15-Fantasy wie Splittermond und der Xte, dazu noch abgeschmackte Aufguß von Cthulhu bessere Marktchancen haben als eine der facettenreichsten Fantasywelten aller Zeiten.

Dreck.

Samstag, 11. Februar 2017

My Personal Book of the Month Club

In den letzten paar Jahren hatte ich mit Bücher lesen aufgrund meiner Augen erhebliche Schwierigkeiten, dazu litt ich bedingt durch eine massive (natürlich bis 2015 unentdeckte) Borreliose an Konzentrationsschwächen. Bücher lesen war in diesen Jahren nicht so meins.

Rotz. Ich hab davor 50 bis 70 Bücher in verschiedenen Sprachen pro Jahr gelesen. Den ersten Band von A Song of Ice and Fire habe ich damals in drei Nächten weggelesen. (Für den dritten habe ich dann drei Monate gebraucht und bin mir ziemlich sicher, daß nicht die Borelliose die Ursache war.)

Deswegen eines meiner Projekte für dieses Jahr: Mindestens jeden Monat ein Buch lesen. Das für Januar war Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an. Es handelt sich dabei um eine Biographie der Mitford-Schwestern in deren Zentrum Unity Valkyrie Mitford steht.

Michaela Karl schreibt stilistisch beschwingt und bietet einen wunderbaren Einblick vor allem in das Seelenleben der jungen Upper Class Englands in der Zwischenkriegszeit. Humor und Tragik halten sich hier fein austariert die Waage. Absolute Leseempfehlung und einen Kesselrun entfernt von den üblichen Büchern zum Thema "Drittes Reich", die mittlerweile flächendeckend der Knoopisierung anheimgefallen scheinen (Ich wart ja auf Hitlers Schlüpfer und die Fortsetzung Des Führers rechte Socken).

Nach soviel Bildung dann im Februar waschechte Spannungsliteratur, ebenfalls Deutsch: Neue Hoffnung, der erste Band der Rising-Serie von Felix Münter. Hat man mir empfohlen.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Und da ist es.

Schnall den Sechsschüsser um und sattle auf, Amigo. Es ist Zeit, deinen rauhbeinigen Revolverhelden, geheimnisvollen Huckster oder wilden Indianerkrieger von der Kette zu lassen. Seit gestern ist das deutsche Spielerhandbuch zu Deadlands: Reloaded als PDF bei Drivethru erhältlich. Das dauerte jetzt eine Woche vom Ende der Schwarmfinanzierung bis zur digitalen Publikation des ersten Buches. Sportlich.

(Hinweis in eigener Sache: Ich gehöre zum betreffenden Übersetzerteam und bin naturlich voreingenommen.)

Mittwoch, 8. Februar 2017

Myrkgard

Da es nirgends sonst im Aggregator auftaucht, mach ich es halt: Myrkgard ist als Download erhältlich. Es handelt sich dabei um ein alternatives Setting für das Midgard-Rollenspiel. In dem 200-seitigen PDF stecken Blut, Schweiß und Tränen mehrerer Spielweltautoren, die sich da am Anfang des Milleniums ordentlich ins Zeug gelegt haben.

Ich kannte das nicht. Nach einigem Schmökern: Gute Texte, gut präsentiert, machen Lust auf Abenteuer in dieser Welt. Diese harsche Spiegelung Midgards gefällt mir doch deutlich besser als das Original. Ach ja, die großformatige Karte ist auch sehr schön.

Ohne Einschränkung empfehlenswert. Und einen herzlichen Dank an alle Macher dieses schönes Produktes.

(via Zornhau auf G+)

Freitag, 20. Januar 2017

I love you, Sheriff Truman


Erster Post im neuen Jahr (ich mach grad Urlaub...) ist - natürlich - ein Abgesang. Miguel Ferrer, hervorragender Charakterdarsteller der zweiten Garde, ist am gestrigen Donnerstag gestorben. Scheißkrebs.