Donnerstag, 21. Mai 2015

Schnuppert an den Grabsteinen am Wegesrand.

Gerade über Bannbaladin mitbekommen: Die Homeriker planen für den Abschied von DSA 4 eine zweibändige, luxuriöse Komplettedition von süßen 2000 Seiten Regelwerk. Also wenn man alles zusammenrechnet. Die Wegebände kommen wohl auf je 650 und die beiden Zauberbücher auf je 350 Seiten, so grob mal mit dem Hamster über den Daumen geschlagen. Cool. Man sieht sofort, worauf man sich einläßt und das Hantieren vieler Einzelbände wird reduziert

Richtig angefaßt wird da sogar noch etwas mit Mehrwert draus. Angemessen spielen mit diesem Trümmer kann man eigentlich nur die einbändige ziegelgebundene Ausgabe der Borbelkampagne. Sollte man also nochmal auflegen, am besten in einer zweigleisigen 4-5-kompatiblen Ausgabe. Das würde dieses Fantasy-Kursbuch nochmal um 200 Seiten auffetten, wenn ich allein an den anzupassenden Magieschwurbel denke.

Dazu gibt es auch Accessoires. Zollgroße Würfel aus Stahl mit passendem Becher aus dickem Ochsenleder, Charakterbögen als teakgefaßte weiche Bleitafeln, in die man mit Stahlnadeln ritzt. Dazu eine Neuauflage von Lanze, Helm und Federkiel mit gravierten Kupferplättchen. Das ganze paßt in den "Danke-4.X-Rucksack", der natürlich aus Tropenholz einem Hartholzharnisch nachempfunden ist. (Vielleicht kann man ja auch noch für alle Zwölfgötter die grundlegenden Lehren als Steintafeln mit 'reinpacken.)

Das Schwarze Auge hätte die besttrainierten, muskulösesten und gesündesten (Warum gibt es keine Aventurischen Frühstücksflocken? Bornländer Weizenkleie oder so? Sagt das noch irgendjemand außer mir, "Frühstücksflocken"?) Spielleiter der Welt. Meister mit Six-Packs und Schultern wie ein Schwertkönig.

Oder die kaufen sich einfach Zwergponies mit Packtaschen. Das ist dann immerhin süß.

Auch wenn sie diese wertvollen Anregungen nicht aufnehmen werden: Auf alle Fälle lassen sie's also nochmal krachen, die Homeriker, vor dem Aufbruch in die noch dunklen Weiten von DSA 5, an dessen Ufern man bislang nur entlangplätscherte und jetzt aufbricht ins unbekannte Innere, wo die Tommeln durch die Nacht grollen - hic sunt dracones et fanatici.

Und egal, wie man letztlich zu DSA 4.1 steht - es hatte über ein Jahrzehnt und mehr einen maßgeblichen Einfluß auf unser Hobby, es formte viele Spielerseelen, ließ manche in der Dunkelheit zurück, führte andere dann doch in ein ihm eigenes Licht, oder in das anderer Systeme. Es zeigte uns, was man liebt oder eben haßt, oder wie man die Arschbacken zusammenkneift und mit der Gruppe trotzdem Spaß hat.

Vielleicht ist das das wahre Vermächtnis von DSA 4: System matters, friendship matters more.

Etwas von dieser Tragweite verdient eine würdige Abschiedsedition, das hat die Redax richtig erkannt. Und so wie die Vorabcover im Shop aussehen, gemahnen sie an Grabsteine. Was passend ist. Verneigen wir uns dann also, wenn die Stunde gekommen sein wird, ein letztes Mal vor dem Größten Rollenspiel aller Zeiten, das nie wieder von deutschem Boden ausgehen soll.

Mach's gut, DSA 4, und bitte, bitte mach's besser DSA 5.

Kann mir übrigens jemand etwas erklären, was mich rasend macht? Die bieten ein DSA-Würfelset mit acht Zwanzigern an. Acht! Warum acht? Müßten das nicht sechs oder neun sein? Hab ich was verpaßt?

(Die meisten der hier genannten Artikel würden sich übrigens verkaufen. Sogar Zwergponies.)

Mittwoch, 20. Mai 2015

Das Biedermännchen

Ein als Comedian verkleideter Kleinbürger, der anderen genau die Vokabeln verbieten möchte, die er selbst auf der Bühne verwendet? Boah, ist das scheiße, das ist fast so scheiße wie die Aktion des ZEIT-Granden gegen Die Anstalt. Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstraße, und das ist auch gut so.

Ich kenne für derlei intellektuelle Verhaltensauffälligkeiten ad hoc vier Begriffe (wenn ich nachdenke fallen mir noch mehr ein), von denen ich jedoch keinen hier nennen kann, da die Gefahr besteht, daß ich sonst vor Gericht lande.

Ja, Typen wie der Nuhr zerren Dich vor Gericht für das, was sie selber tun. Interessantes Verständnis der eigenen Rolle innerhalb einer Demokratie offenbart das. Aber saturierte Biedermännchen waren schon immer der Meinung, ihnen stünde mehr Gleichheit zu.

Ansonsten, Herr Nuhr, wenn ich schon mal meine Zeit an Sie verschwende: Bei neunzig Prozent ihrer lautlichen Absonderungen sollten Sie sich vorher bitte-bitte-bitte an Ihren eigenen Rat halten, den mit Ahnung und Fresse und so.

Hättet ihr ja auch mal lauter sagen können, Slayers!

Da muß man erst bei Google-Plus sein, um zu erfahren, daß es da ein richtig gutes Magazin zu Dungeonslayers gibt (mit dem originellen Namen Slay *sigh*). Laut Ingo ist die dritte Ausgabe gerade in Arbeit. Ja, die Dritte. Die erste gabs 2013.

Und ich weiß nix davon. Kein Wunder, bei rsp-blogs habe ich keine entsprechenden Blogeinträge unter dem Stichwort "Dungeonslayers" gefunden.

Macht aber nix, hab ich eben jetzt Freude dran. Das Ding ist zwar offiziell für DS, aber ganz ehrlich: Von dem Zeug darin - ich lese gerade die #2 mit dem Schwerpunkt Stadtabenteuer - ist fast alles für OSR-, Retro- und Standardfantasy-Gaming zumindest anregend. Sogar die Crunchsachen sind hilfreich, dröseln sie doch Situationen schematisch auf, die auch im OSR immer wieder zu Problemen führen.

Bin sonst kein Magazinfreund, aber das ist klasse. Keine, ich wiederhole: KEINE Kurzgeschichten. Wie geil ist das denn? Fanmagazin, ohne daß ein Hohlbein / Hennen / Heitz in Riesterrenteninkarnation virtuelles Papier vergeudet?! Danke!!!!

Und geben tuts das hier.

Montag, 18. Mai 2015

Zu spät...

Die Adventure Paths werden oft als besondere Stärke von Pathfinder genannt. Wie das aber in Deutschland so ist: Von der Solidaritätsbekundung und Sympathiebezeugung zur finanziellen Hinwendung befindet sich ein langer Weg. Im Interview mit den Teilzeithelden gibt Michael Mingers, line editor bei den Homerikern für Pathfinder, an, die Absatzzahlen des letzten Pfades lägen bei unter 200 Exemplaren pro Heft.

Pufff. Das ist wirtschaftlicher Selbstmord.

Es wird Übersetzungen der Paizo-APs also, nach den derzeitigen Plänen, nur noch per Crowdfunding geben. Interessant ist dabei das Aussehen künftiger Abenteuerpfade:
Das Crowd­fun­ding wird dann auch keine sechs ein­zel­nen Bände beinhal­ten, son­dern zwei Hard­co­ver mit jeweils drei Aben­teu­ern. Die Kurz­ge­schich­ten aus den eng­li­schen Aben­teu­ern las­sen wir dabei kom­plett raus und pro Band wer­den die Bücher etwa 50 Euro kos­ten.
Ach ne, echt jetzt? Hab ich doch gesagt, daß das besser wäre, genau so, schon vor drei Jahren.
Das deutsche Produkt ist quasi identisch zum Original. Inhaltlich finde ich das gut so, was die Präsentation angeht nicht. Mir wäre so ein AP lieber aufgeteilt auf zwei der Ulisses-typischen HC-Sammelbände. Gediegen, robust und im Endeffekt sogar noch etwas preiswerter (geschätzt 100 € für die Hardcover im Gegensatz zu 120 € für 6 Softcoverbände) und mit Kartentasche. Da kann man dann gleich auch den Kurzroman rausschmeißen, was immerhin 36 Seiten spart.
Zwei Bände, Kurzprosa raus und 50,-- pro Band, so wird es dann wohl auch kommen, nachdem das Kind im Brunnen liegt. Tja. Wieder nicht auf mich gehört... ;)

Freitag, 8. Mai 2015

BEAM-Companion

So, dann endlich mal den Plan umgesetzt und das Mentzer-D&D einem grundlegenden Facelift unterworfen. Jetzt kann mans downloaden und es sieht jetzt wieder sehr tauglich aus. Nein, das ist kein "origineller Klon" mit irgendeinem bizarren Alleinstellungsmerkmal ("Das coolste Moralsystem für humanoide Gefolgsleute bis Stufe 3, das es gibt!" - "Unsere Magie ist so eklig, du bist froooh einen Kämpfer zu spielen." - "Unsere Diebe sind alle blau und haben drei Titten an den Waden." Mmmh, klingt alles nach demselben Spiel.).

Nein, das ist der Versuch, die gröbsten Schwächen an meinem Lieblings-D&D auszumerzen, ohne auch nur ein Jota am Geschmack zu ändern. Das war mir sehr wichtig. Ich danke übrigens D&D 5/Next für den endgültigen Motivationsschub. Das ist so geschmacksneutral, daß ich wieder Bock auf die Arbeit bekommen habe.

Vorneweg: Das ist ein Companionheft mit Ergänzungen. Man sollte a) ein wenig mit altem D&D vertraut sein und b) entweder die Basis- und Expertenbox in der BEAM-Fassung besitzen oder das Große Buch der D&D-Regeln. Außerdem: Das ist noch Beta. Tiefstes Beta. Testspiel ist noch in diesem Monat.

Montag, 27. April 2015

Nein, nein, soviel kann kein Mensch essen.

Frank Walter Steinmeier, Außenminister der BRD, hat am 15. März 2015 einen Brief geschrieben, an die polnische Ministerin für kulturelle Angelegenheiten. Darin bittet er die Ministerin, gewisse Dokumente zurückzuziehen.

Diese betreffen ein Kriegsverbrechen aus dem Zweiten Weltkrieg.  Ukrainische Verbände aus dem Dunstkreis des Faschisten Banderas verübten ein Massakker an Zehntausenden Polen im Jahre 1943.

Die Dokumente über dieses Massakker sind nach Meinung Steinmeiers geeignet, "die politische Zusammenarbeit zwischen den Staaten der Europäischen Union zu beeinträchtigen und "bei den Behörden und der Bevölkerung der Ukraine eine negative Reaktion" auszulösen. Die Faschisten, die in Kiew an der Macht sind (obwohl es sie eigentlich ja gar nicht gibt), haben den Nazi Stepan Banderas zum Nationalheiligen gemacht. Ganz offiziell seit 9. April des Jahres sind die Banderas-Banden keine Massenmörder mehr, sie sind "Freiheitskämpfer".

Polens 100.000 Tote stören ganz einfach den Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland. Die Handlanger in Kiew sollen sich doch wohl fühlen. Daher schreibt Steinmeier eine solche Aufforderung, Polen solle doch bitte ein wenig die Geschichte verbiegen bzw. unschöne Details nicht erwähnen. Wer sich jetzt darüber aufregt, der sei beruhigt, niemand erwartet von den Polen, das umsonst zu tun, denn "Deutschland seinerseits setzt die Unterstützung und Förderung der polnischen Wirtschaft (....) fort."

Ich bin dann mal kotzen.


http://www.neopresse.com/politik/polen-vergisst-wolhynien-um-europas-willen/
https://www.indymedia.org.uk/en/regions/world/2015/04/520224.html
http://wyborcza.pl/politykaekstra/1,144844,17754786,Schetyna__Absurd_przeslania_tragedie.html?piano_d=1

LOL


"[13th Age ist das] System, das starke erzählerische Momente auf dem robusten Kampfsystem von D&D aufsetzt."

Wer findet die 96,5 Fehler, die hier verborgen sind (Nein, ich meine nicht die Grammatik)?

Samstag, 25. April 2015

Fluffy hat Krätze.

A bisserle tu ich mich ja immer schwer mit Flufftext. Da sind mir Marketing-Blurbs zu nah, um mich wirklich wohlzufühlen. Aber dieses Mal brauche ich etwas Intro-Fluff ins Settingbuch, für die Neueinsteiger in die Runde. Ich bin mir nicht sicher, ob das Nachfolgende irgendwie den Kern trifft, eine Welt, die unserer zum Verwechseln ähnlich ist, wenn man in pessimistischer Paranoia gefangen ist. Ach ja, Hilly Clinton ist hier bereits Präsidentin, nach Barack Obamas....Unfall im Sommer 2008.

"Willkommen in New York City, Ende März 2013. Der amerikanische Alptraum ist eine Mischung aus Orwell und Huxley, und alles geht zum Teufel. Selbst in der ersten Welt scheint die allge­meine Verelendung nicht mehr aufzuhalten zu sein, und die Mächtigen reagieren wie immer, wenn das Volk unru­hig wird: Sie schaffen einen äußeren Feind. Es riecht nach Krieg, einem kalten zunächst, doch wer kann schon wissen, wo das hinführt.

Die schreienden „News“sendungen, deren Hyperaktivität Epilepsie oder intellektuellen Stupor beim Rezipienten auslösen, sie übertünchen nur, daß die Welt zur Hölle fährt. Der Mensch geht zugrunde am Men­schen, und in den Kulissen scheint eine gestaltlose Bedrohung zu lauern, bereit zu tiefsten Ängsten zu gerinnen und die Bühne der Geschichte zu betreten.

Vieles, was geflüstert wird über die Machenschaften von Regierungen und Geheimbünden, ist wahr, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Es ist die Hälfte, die der Mensch ertragen kann. Oder fast, denn selbst die spärlichen bekannten Fakten lösen bei vielen Paranoia, religiösen Wahn oder schlicht Umnachtung aus.

Wenige stellen sich dem Untergang entgegen, und sie sind keine strahlenden Ritter. Es sind Männer und Frauen, die von ihrer eigenen Kompromißlosigkeit überrascht sind, wenn sie den Kampf annehmen. Du bist einer davon, auch wenn Du es vielleicht noch nicht weißt. Einer der Wenigen, einer der dreckigen Ritterschaft, die die Menschen in ihrem Niedergang verdienen, auch wenn sie sie gar nicht wollen.

Du bist ein Licht in der Dunkelheit, eines der Letzten. Und, Mann, wird das schlecht bezahlt. Deine Aufgabe: Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Mit etwas Glück wirst du das sogar überleben."

Wolfgang Schäuble und die Chemtrails

Es blubbert in der deutschen Medienlandschaft, die schönsten Faulgase entwickeln verläßlich Springers Welt und das vorgebliche Magazin Stern: Euro-Kollegen beschimpfen Varoufakis als "Amateur". Geladen wurde diesmal von den Finanzministern nach Riga, der Hauptstadt Lettlands. Lettland, das einen rigorosen "Sparkurs" durchmachen mußte, bevor es dem Euro beitreten durfte, gilt als Musterschüler der verqueren Wirtschaftspolitik Deutschlands Europas.

Weswegen Lettland auch das höchste Armutsrisiko aufweist. So ist das mit Europas Musterschülern. Hauptsache die Märkte, diese scheuen Rehe, sind zufrieden, und die äsen halt nur dort, wo andere hungern. Rehbraten ist mMn die einzig logische Antwort darauf.

Doch zurück zu Varoufakis, der von seinen Kollegen wohl tatsächlich als Amateur und anderes bezeichnet wurde. Das ist schon lustig.Von der ganzen Laienspielschar, die dort fröhlich im Spielgeld badet, ist der griechische Finanzminister wahrscheinlich der einzige, der einen akademischen Hintergrund zu diesem Thema hat. Um Minister zu werden, braucht man ja im restlichen Europa keinen Sachverstand, ach, noch nicht einmal Verstand. Da kommen Fälscher auf höchste Ministerposten und werden damit geadelt, zu allem befähigt zu sein.

Komisch. Als ich klein war, galt "der ist zu allem fähig" noch als Warnung.

Nunja. Da ist nun also Varoufakis inmitten dieses Kindergartens, und versucht ein paar ökonomische Grundpinzipien, die ein wenig über die grenzdebile schwäbische Hausfrau hinausweisen, anzubringen. Tja, das versetzt die versammelte Schar Fachfremder natürlich in waidmännische Erregung. Diese Sorte Mensch reagiert so, wenn sie etwas nicht versteht.

Das kann ich mir vorstellen als sei Gunter Tiersch zu Gast bei irgendwelchen Orgonjüngern, um Stellung zu den Chemtrails zu nehmen. Da wird niemand glücklich, auf der Veranstaltung. Und einen Cloudbuster kauft der Gunter auch nicht, der Amateur.

Allein die Vorstellung ist köstlich. Jedoch, jedoch, das Ganze ist nicht witzig. Das hat System. Von Finanzen mögen die Clowns da keine Ahnung haben, aber sie wissen, wer die Spesen zahlt. Die EU hat von Beginn an versucht, die neue griechische Regierung noch in der Wiege zu erwürgen. Syriza steht für die EU als Gefahr da, für das System, zu dessen Repräsentanten die EU degeneriert ist. Das Experiment Syriza darf auf keinen Fall Erfolg aufweisen, niemand darf glauben, es gebe eine Alternative zu unserem inhumanen Wirtschaftssystem.

Alle Mittel sind da erlaubt, auch economic wetwork. Ein Artikel mit weiterführenden Links.